IPC-KompAKT

Im Rahmen des Studierende Exzellenz Programms (MeCuM StEP) 2017/2018 haben zwölf Studierende einen Pilotkurs zum Thema Inerprofessionelle Kooperation entwickelt. Der Kurs soll im Jahr 2019 erstmalig stattfinden.

Executive Summary

Dem Thema Interprofessionalität wird mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Zunehmende Spezialisierung und Komplexität der Behandlung, Digitalisierung sowie der demographische Wandel sind nur Beispiele für veränderte Bedingungen im Gesundheitswesen, die mit einer Zunahme von Schnittstellen und damit Kommunikation einhergehen. Mangelhafte Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe führt nicht nur zu Fehlern in der Therapie, sondern verursacht auch Todesfälle und unnötige Kosten. Laut der Risk Management Foundation der Harvard University sind Mängel in der interprofessionellen Kommunikation die Ursache von jährlich 2000 Todesfällen und mindestens 1,7 Milliarden US Dollar Mehrausgaben. Wir sind fest davon überzeugt, dass gezielte Ausbildungsmaßnahmen in diesem Bereich den hiermit verbundenen Problemen entgegenwirken.


Als StEP-Stipendiaten des Jahrgangs 2018 haben wir ein Konzept zur Einführung eines Pilotkurses zum Thema “Der Arzt als Mitglied eines multiprofessionellen Teams” an der LMU entwickelt. Wesentlicher Beweggrund unseres Vorhabens ist die Umstrukturierung des Medizinstudiums (“Masterplan 2020”) und die darauffolgende neue Approbationsordnung. Hier wird als entscheidender Punkt die Einführung interprofessioneller Ausbildung (IPE) ins Medizinstudium genannt.
Das vorrangige Ziel unserer Arbeit ist Auszubildende für die herausragende Bedeutung von professioneller, patientenorientierter und respektvoller Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen zu sensibilisieren. Wir möchten junge Kollegen aus verschiedenen Gesundheitsberufen dazu motivieren, als Multiplikatoren für hochqualitative Zusammenarbeit zu fungieren.
Zu den Stakeholdern unseres Vorhabens gehören primär Patienten und Mitarbeiter der Gesundheitsbranche. Als unmittelbar Betroffene werden sie eine verbesserte Versorgung beziehungsweise eine professionelle und angenehme Arbeitsumwelt erfahren. Gute interprofessionelle Zusammenarbeit wirkt sich wiederum positiv auf Effektivität und Effizienz der Behandlung aus. Aus diesen Gründen stellt IPC auch ein gesellschaftlich relevantes Thema dar, das im öffentlichen Dialog mehrfach behandelt wurde. Daraus folgend sehen wir als zweite Interessensgruppe politische Gruppierungen und Verwaltungskräfte, welche unabhängig von der ideologischen Gesinnung an einer Optimierung des Gesundheitssystems interessiert sind. Die dritte Stakeholdergruppe bilden universitäre Einrichtungen und Berufsschulen. Ihr Ruf hängt maßgeblich von einem differenzierten und zukunftsträchtigen Ausbildungsangebot ab.
Die Inhalte unserer vorgesehenen Veranstaltungen basieren auf den Vorgaben des nationalen kompetenzbasierten Lernzielkataloges für Medizin sowie des kanadischen National interprofessional competency framework. Für die Entwicklung unserer Lehrveranstaltungen orientieren wir uns an Analysen des Bedarfs und der Umsetzbarkeit, welche wir in Form von Umfragen unter Studierenden und Mitarbeitern des Klinikums der Universität durchführten. Weiterhin bedienen wir uns der aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Literatur zum Thema. Eine zusätzliche Informationsquelle stellt der Austausch mit Mitarbeitern von Fakultäten und Schulen der Gesundheitsberufe in Deutschland sowie in Kanada, Australien und den Vereinigten Staaten dar. Im September 2018 nahmen außerdem zwei Stipendiaten unserer Gruppe an dem internationalen Kongress der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung in Wien teil. Hier wurden Projekte zu interprofessioneller Ausbildung von verschiedenen Universitäten vorgestellt.


Unsere Analyse an der Fakultät ergibt zusammenfassend, dass 60% der Studierenden an der LMU ein interprofessionelles Lernangebot begrüßen würden. Interessanterweise schätzen die Befragten insgesamt die eigenen kommunikativen und kooperativen Fähigkeiten als gut bis sehr gut ein. In Anbetracht der Realität im klinischen Alltag und der Ergebnisse der Mitarbeiterumfrage am KUM gehen wir davon aus, dass sie sich in ihren Fähigkeiten überschätzen. Für die Umfrage unter Mitarbeitern des KUM gilt, dass 74 % die Notwendigkeit für IPE während der Ausbildung sehen. Gleichzeitig gaben 84 % der Teilnehmer (n=157) an, erlebt zu haben, dass durch Fehler in der interprofessionellen Zusammenarbeit die Sicherheit eines Patienten gefährdet wurde.


Die Interventionen des Pilotkurses IPCKompAKT (InterProfessional Collaboration - Kompetent Als Klinisches Team) basieren auf mehreren Simulationen und Übungen, die von einer Vor- und Nachbereitungsphase komplementiert werden. Die baukastenähnliche Organisation ist eine Lösung, um die Kursinhalte flexibel bezüglich des zeitlichen Rahmens sowie der Teilnehmerzahl und Berufsgruppenzugehörigkeit stattfinden zu lassen. In der ersten praktischen Einheit steht das Thema Kommunikation und Teamarbeit im Vordergrund: Dies möchten wir in Form des populären Escape-the-Room Konzepts umsetzen. Es soll die erste Anwendung dieser Art in der Medizindidaktik in Deutschland darstellen. Weitere standardisierte Simulationen und Übungen an realen Patienten bringen den Kursbesuchern Konfliktkommunikation und Fehlermanagement, Rollen der Gesundheitsberufe sowie Formen der strukturierten interprofessionellen Visite nahe. Schließlich werden die neu erworbenen Kenntnisse in der letzten Anwendung unter realen Bedingungen auf Stationen erprobt. Die Praxis wird durch einen theoretischen Teil bestehend aus Eigenstudium, Diskussionen und Vorträgen eingerahmt. Möglichkeit zur Reflexion bietet den Teilnehmern das Verfassen eines Essays. Um eine fortwährende Kursentwicklung zu ermöglichen, wird nach dem Kurs eine Evaluation der Veranstaltung durch standardisierte Fragebögen durchgeführt.


Unser Projekt wurde unter Beachtung ähnlicher Kursinhalte (s. Best Practice Analyse) und aktueller Fachliteratur sowie mithilfe des Austausches mit Wissenschaftlern auf dem Gebiet IPC entwickelt. Wir sind uns daher sicher, dass unser Projekt sich im langfristigen Verlauf positiv auf die Arbeitsatmosphäre im Krankenhaus, die Patientenversorgung und deren Ökonomisierung auswirken wird. Dank des weit verbreiteten Interesses hinsichtlich interprofessioneller Zusammenarbeit und Ausbildung sind wir überzeugt, dass unsere Vorschläge auf fruchtbaren Boden fallen werden und die LMU als innovative Lehrinstitution von einer baldigen Umsetzung stark profitieren wird.

DANIELA C. BEER, SOPHIE VON BRAUCHITSCH, JULIA GRILL, JULIAN LEBERZAMMER, VERONIKA LOIKO, CAROLINE PLETT, JONAS M. SCHALLER, SEBASTIAN SIGL, SEBASTIAN STOLZ, JOHANNES TOSSOUNIDIS, KATHARINA WACH, PAWEŁ P. WRÓBEL

Kontakt zu den Autoren: step2018@mecum-mentor.de

weitere Informationen zu StEP auf der Internetseite der medizinischen Fakultät